2010 feierte unser Verein sein 80-jähriges Bestehen.
Dieses Jubiläum soll zum Anlaß stehen die zurückliegenden 80 Jahre des Gartenbauvereins Plaue-Bernsdorf, später Gartensparte Flöha/Süd und heute Kleingartenverein Bergidyll Flöha e.V. Revue passieren zu lassen.
Aller Anfang ist schwer
Das Gründungsjahr unseres Vereins ist mit 1930 angegeben, aber bereits 1925 thronte ein Wetterhahn mit dieser Jahreszahl auf der Laube von Oswald Weber in einem Garten am ehemaligen Schulgebäude. Infolge bevorstehender Baumaßnahmen mußten diese Gärten geräumt werden.
Nach vielen Diskussionen erhielten die Gartenfreunde von der Gemeinde Plaue Land gegenüber der Kultur- und Sporthalle in der Friedrich-Ludwig-Jahn Straße zugewiesen. Kaum waren die ersten Spatenstiche getan, wurde bekannt das auf diesem Land die sogenannten „Genge-Häuser“ gebaut werden sollen. Die Gartenfreunde mußten ihre Scholle abermals aufgeben. Im Gemeindeamt Plaue entschied man dann den Kleingärtnern und Randsiedlern das Gelände oberhalb der Eisenbahnbrücke links und rechts des Feldweges vom ehemaligen Dittmann-Gut zur Verfügung zu stellen. Die Kleingärtner erhielten die rechte Seite hangaufwärts.
Am 9. April 1930 wurde schließlich der Gartenbauverein e.V. Plaue-Bernsdorf gegründet. Zum ersten Vorsitzenden wählte man Paul Glöckner und die Mitgliederliste zählte 76 Namen.
Kleingärten entstehen auf dem Feld
Das Land am Berg wurde in 60 Gärten aufgeteilt. Jeder Garten erhielt durch den Verein einen Hochstamm-Obstbaum. Einige davon sind noch heute erhalten. Die ersten, einfachen Lauben, von 4-6 m² Grundfläche, entstanden. Viele Vereinsmitglieder waren in dieser Zeit arbeitslos. In ihrem Garten fanden sie eine willkommene Betätigung und schonten mit dem Anbau von Obst und Gemüse die schmalen Geldbeutel.
Aus Erzählungen von Eltern und Großeltern wissen Kinder und Enkel heute, wie gern sich diese an die „Gründerjahre“ erinnern. Die Gärten waren ein Teil ihres Lebens und nicht selten sind einige dieser Gärten bis heute in Familienbesitz geblieben.
Wasser gab es nicht in der Gartenanlage! Das war ein großes Problem, denn ohne Wasser gedeiht nunmal nichts. Aber woher nehmen? Man bestellte einen Wünschelrutengänger, namens Uhlig, aus Euba. Im Gemeindewäldchen unterhalb der Augustusburger Straße hoffte man auf Wasser zu stoßen. Die arbeitslosen Gartenfreunde Wilhelm Waske, Georg Arnold, Hugo Seifert und Oswald Weber gingen an die Arbeit. Sie schlugen im Wald Stangen, beschafften eine Seilwinde und die Tiefbaufirma Schrader & Lindner stellte Pfosten. Nach wochenlanger schwerer Arbeit war ein etwa 11m tiefer Schacht in den felsigen Boden gegraben … aber leider ohne Erfolg. Ein neuer Weg musste gesucht werden. Der staatlich geprüfte Wassersucher Kunze fand im Garten des damaligen Gartenfreundes Herbert Schieferbein eine Wasserader. Wieder gingen die 4 Gartenfreunde an die schwere Arbeit. Endlich! In etwa 13m Tiefe kam das erste Wasser. An einem Samstag sollten Betonringe eingesetzt werden, doch in der Nacht zuvor ging ein schweres Gewitter nieder und spülte den Brunnen samt Leiter und Werkzeug wieder zu. Die unverdrossenen Vier gingen erneut ans Werk. Betonringe wurden eingesetzt und die Arbeiten beendet.
Das Wasser war da − aber wie herausbekommen?
Die Gartenfreunde machten eine alte Windmühle ausfindig und erhandelten diese für 100 Mark. Sie bauten die Mühle ab und im Garten von Herbert Schieferbein wieder auf. Was aber, wenn der Wind einmal ausblieb? Und das tat er mehr als den Kleingärtenern lieb war. Und drehte sich die Mühle mal, dann machte sie so einen Lärm das sich niemand in der Nähe aufhalten mochte. Also beschloss man die Mühle wieder abzubauen und zu verschrotten.
Mühevoll mussten die Kleingärtner ihr Wasser nun vom Siedlerteich unterhalb der Anlage holen. Die Mitglieder des Vorstandes, rund um Vorsitzenden Emil Melzer, stellten an das Forstamt Dresden den Antrag die an der Augustusburger Straße sprudelnde „Könneritzquelle“ zur Wassergewinnung für die Gärten zu nutzen.
Der Antrag wurde genehmigt und man ging daran die Wasserleitung etappenweise entlang der Straße zu verlegen. In den Kriegsjahren 1943 / 44 leisteten diese schwere Arbeit vorwiegend die Frauen, da fast alle Männer im Krieg waren. Unterstützung erhielten sie von einer Genesungskompanie der Wehrmacht, welche in Flöha stationiert war.
Da das 3m³ große Auffangbecken im Wald beiweitem nicht ausreichte, beschloss man Wasserkessel anzuschaffen. Erst 1975 konnte das Wasserproblem einigermaßen zufriedenstellend gelöst werden. Den Bemühungen des Gartenfreundes Erich Wolf und der Unterstützung durch den VEB Dampfkesselbau Flöha, ist diese Lösung zu verdanken.
Während der Erneuerung der Straße zwischen Flöha und Augustusburg im Jahr 1992 stießen die Bauarbeiter versehentlich auf unsere alte Wasserleitung und zerstörten diese. Schnelle Hilfe war notwendig! Durch Verbindung zu einer Firma, welche sich in der Auflösung befand, wurde PVC-Rohr organisiert und von den Bauleuten verlegt. Eine Durchörterung der Straße kostete uns einen Kasten Bier und die Leitung im Wald bis zu den Wasserkesseln verlegten unsere Gartenfreunde selbst.
Mit neuer Leitung spendet die Könneritzquelle noch heute, über die Auffangbehälter mit einem Fassungsvermögen von 50m³, den Gartenfreunden kostenfreies Brauch- und Gieswasser für ihre Gärten.
1945 - ein neuer, schwerer Anfang
Der Krieg, in dem auch Mitglieder unseres Vereins ihr Leben lassen mussten, war vorbei. Gartenfreunde gingen an die Arbeit, was in den Jahren des Krieges nicht möglich war, und scheuten keine Mühen um die Gartenanlage und das Vereinsleben wieder richtig in Gang zu bringen.
Die Anlage erhielt den Namen „Bergidyll“ und es kamen 24 Gärten der „Jahnhöhe“ hinzu. Im Jahr 1948 wurden die an der Zschopau gelegenen Gärten der „Sonnigen Aue“ und die Gärten an der Plauer Schule unserem Verein angeschlossen. Damit wuchs der Verein auf 180 Gärten an. Vorsitzender zu dieser Zeit war Hans Schröder. Ab 1951 übernahm Emil Melzer dieses Amt. Es gab kaum Düngemittel, es fehlte an Gartengeräten und Obstgehölzen. Sämereien wurden in Erfurt bestellt und an die Mitglieder verteilt. An Baumaterial für Reparatur oder gar den Neubau einer Laube war nicht zu denken. Trotz allem versuchten die Gartenfreunde das Vereinsleben und die Arbeitsbedinungen im Verein zu verbessern. So wurde aus einem ehemaligen Gebäude zur Lagerung von Farben der Tüllfabrik Plaue ein Lagerschuppen für Dünger und Holz, welcher nach und nach ausgebaut wurde. Eine Abrichte und eine Kreissäge wurden angeschafft und ein Stromanschluss gelegt, sodas ab 1965 dem Verein ein ordentlicher Lager- und Arbeitsraum zur Verfügung stand.
Langsam kam das Vereinsleben wieder in Gang. Man freute sich über jede Verbesserung, auch wenn diese noch so klein war. Aber auch das Bedürfniss nach Schulungen, Ausfahrten und Geselligkeit war groß.
So beschäftigte man sich beispielsweise 1960 damit, den Gemüseanbau stärker zu entwickeln und für das folgende Jahr 1961 eine Ausfahrt nacht Erfurt zu organisieren. Im Protokollbuch von 1961 lesen wir dazu:
„Wegen dem geplanten Besuch der Gartenbauausstellung in Erfurt lag noch nichts bestimmtes vor. Die Diskussion ergab auch nichts konkretes. Falls unser Vorsitzender einen Fünfer im Lotto gewinnt, will er einen Sonderzug aus eigener Tasche bezahlen.“
In Klammern und 4 Fragezeichen:
„Was wird, wenn keiner gewinnt?“
Im Juni des gleichen Jahres lesen wir nochmal zum Thema Erfurt:
„Nach Meldungen der Gartenfreunde kann mit einer vollen Auslastung des Lastwagens gerechnet werden.“
Den Termin legte man auf den 9. Juli 1961 fest. Abfahrt 5.00 Uhr!
In der August-Versammlung wurde berichtet, das die Ausfahrt ein voller Erfolg geworden ist.
Wie sich die Zeiten ändern! Am 5. und 7. September 1980 fuhren 2 Busse zur Blumenschau nach Erfurt. 20,00 Mark für Besichtigung und Essen.
Die Sechziger Jahre waren von zahlreichen Aktivitäten innerhalb der Anlage und des Vereines gekennzeichnet.
Viel neues entstand, interessante Fachvorträge bereicherten die Versammlungen, Ausfahrten, Kinderfeste und Weihnachtsfeiern wurden veranstaltet.
In den Mitgliederversammlungen sprach man oft von der "mengenmäßigen Steigerung der Gartenerzeugnisse".
Anlass dazu waren meist Wettbewerbe des Kreises zu politischen oder kulturellen Höhepunkten oder Aufrufe des Kreisverbandes.
So wurde in der Jahreshauptversammlung 1965 berichtet, das auf der Grundlage sogenannter "Leistungskarten" der Vereinsmitglieder durch die Gewinnung von Obst und Gemüse ein Wert von 21.046 Mark erzielt und 1.437 NAW-Stunden im Wert von 21.550 Mark von den Gartenfreunden geleistet wurden.
Von der Volksküche zum Gartenheim
Ein Gartenverein soll auch ein eigenes Gartenheim besitzen! Dieser Wunsch bestand schon viele Jahre. Die Gartenfreunde mußten ihre Mitgliederversammlungen in "Rößler's Gaststätte" durchführen. Als diese schloß wurden die Versammlungen einige Jahre im Rathaus Plaue, im Gebäude der Forstverwaltung oder in der Buntpapierfabrik durchgeführt.
Diese unhaltbare Zustand sollte mit einem Vereinslokal beendet werden.
Die Stadtverwaltung Flöha bot dem Verein die sogenannte "Volksküche" in der Friedrich-Ludwig-Jahn Straße an in der früher vorwiegend Arbeitslose und Rentner Essen erhielten.
1965 begann der Ausbau dieser doch recht verkommenen Barracke und nach dem 1. Bauabschnitt konnte das Vereinslokal am 19. August 1967 mit einer Mitgliederversammlung eröffnet werden.
Weitere Etappen des Umbaues waren:
1968 - Anbau eines Vorhauses und Errichten einer Abortanlage (Plumpsklo)
1970 - Aushub und Ausbau eines Kellers zur Frischhaltung der Getränke
1974 - Gründliche Renovierung und Anbringung einer Deckenverkleidung aus Holz
Fotsetzung folgt ...
Quelle: Vereinschronik anlässlich des 70-jährigen Jubiläums 2000.